Aus der Geschichte der Evangelischen Gemeinde Freiburg im Breisgau
Horst Mayer
Eine Gedenktafel an der Habsburgerstraße, Ecke Rheinstraße, vermeldet: „Ehemaliger Standort des ersten eigenen Kirchenbaus der seit 1806 in Freiburg entstandenen evang. Gemeinde. Die Ludwigskirche, benannt nach dem badischen Großherzog Ludwig, wurde 1944 beim großen Luftangriff auf Freiburg zerstört...“
– Zehn Jahre später, 1954, konnte die neue Ludwigskirche beim Alten Friedhof eingeweiht werden. In diesem neuen Kirchenbau erinnern alte Steine an die erste Ludwigskirche und damit an die Geschichte der Evangelischen Kirche hier in Freiburg.
Im vorderösterreichischen Freiburg hatte sich die Reformation nicht entfalten können. Ihr anhängende, namhafte Persönlichkeiten mußten die Stadt verlassen. 1697, als Frankreich die Stadt nach zwanzigjähriger Herrschaft an Österreich zurückgab, wurde die Garnison wieder eingerichtet. Einem „Regiment Württemberg“ gehörten Soldaten und Offiziere evangelischen Glaubens an. Diese hielten sich zur nächstgelegenen Evang.-lutherischen Pfarrei im markgräflich-badischen Dorf Haslach, das heute Stadtteil von Freiburg ist. Die dortige Melanchthonkirche ist die älteste evangelische Kirche im Stadtbereich. Dem Taufbuch dieser Pfarrei ist zu entnehmen, daß im Jahre 1700 ein Söhnlein der Offiziersfamilie von Bettendorf den „Monseigneur, Le Prence Eugenius von Savoyen" zum Taufpaten hatte.
Doch erst mit dem Toleranzedikt Kaiser Josephs II. von Österreich besserte sich die Situation der Evangelischen. Der Kaiser berief selbst den Freund Goethes, Joh. Georg Jacobi, evangelischen Bekenntnisses, zum Professor für Beredsamkeit und Poesie an die Freiburger Universität. 1805 wurde der Breisgau im Frieden von Preßburg von Österreich an das Kurfürstentum bzw. Großherzogtum Baden abgetreten. Die Übergabe wurde 1806 im Freiburger Münster zwischen dem französischen General Monard und dem badischen Hofrichter Freiherrn von Drais vollzogen. 1806 verfügte der Großherzog Karl Friedrich von Baden (1746-1811) auf Drängen des ersten badischen Regierungsbeamten, eben des Herrn Freiherrn von Drais, die Gründung einer evang.-lutherischcn Stadt- und Universitätspfarrei. Kirche, Pfarrwohnung und Schule wurden in dem 1805 aufgelassenen Allerheiligenkloster (es stand an Stelle des heutigen Erzbischöflichen Ordinariats in der Herrenstraße) eingerichtet. Zum ersten Pfarrer war der Dichter und Theologe Johann Peter Hebel ausersehen. Der hat sich lange bedacht. Am 3. Dezember 1806 schreibt er an die befreundete Gustave Fecht: „Denn der nur ja sagen darf, um Stadtpfarrer und Universitätsprediger in Freiburg zu sein, das bin ich. – Ist mir so etwas an der Wiege gesungen worden? Steht so etwas im Bohnenlied? Die Stelle ist mir angeboten. Sie können denken, wieviel ich in beide Waagschalen zu legen habe, wie es an mir zieht und zurückhält… Auch habe ich wirklich nie gewußt, wie wert ich meinen hiesigen Freunden bin.“ Ende des Jahres 1806 reist Hebel nach Freiburg, sieht, bedenkt – und lehnt den Ruf ab.
1807 wird auf ministeriellen Beschluß hin der Pfarrer und Physiker Gustav Friedrich Wucherer zum evang.-luth. Stadt- und Universitätspfarrer berufen mit dem Auftrag, ,,daß er zugleich und neben seinem Pfarrdienst auch den Lehrstuhl in der mathematischen Physik und reinen Mathesis an der dortigen Universität“ mit zu übernehmen habe. Pfarrer Wucherer hat erleben müssen wie die Kirche während der Befreiungskriege als Pferdestall mißbraucht wurde. Um die mißlichen Verhältnisse der Gemeinde und seiner selbst zu bessern, hat er – oftmals vergeblich – Eingabe um Eingabe an die staatliche Vervaltung gerichtet. 1818 wird er auf eigenen Antrag hin als erster Direktor an das neu errichtete Polytechnikum (TH) in Karlsruhe berufen. Die Gemeinde, die er angetreten hatte, bestand anfänglich aus 128 Personen, von denen fünf als reformiert bezeichnet wurden. Dazu kamen noch neun evangelische Studenten und 25 Soldaten. Die Gemeindeglieder gehörten ansonsten meist den „gebildeten Ständen“ an, höhere Verwaltungsbeamte, Offiziere der Garnison, später auch Geschäftsleute.
Erst unter Pfarrer und Dekan Friedrich Eisenlohr, 1819 in sein Amt eingeführt, bessert sich die Situation der Gemeinde. Auch in Freiburg wird 1821 gemäß der Unionsurkunde die Vereinigung der Lutherischen und Reformierten Kirche in einer Bekenntnisunion vollzogen. 1822 zählte die Gemeinde, einschließlich der Soldaten, 400 Gemeindeglieder. Die Kirche im Allerheiligenkloster faßte höchstens 260 Personen. Die Kirche war dermaßen baufällig, daß 1827 der Fußboden einbricht und der Altar in einen Keller versinkt. Die staatliche Verwaltung sieht sich außerstande, Abhilfe zu schaffen.
Zum Dank für die Errichtung des Erzbistums Freiburg, das nicht zuletzt auf Fürsprache des Großherzogs Ludwig gegründet wurde, und nach der Einführung des ersten Erzbischofs, des Münsterpfarrers Bernhard Boll, am 21. Mai 1827, beabsichtigt der Rat der Stadt, dem Großherzog ein Denkmal zu errichten. Dieser Wunsch wurde in einer großartigen Weise aufgenommen:
1. Sollte das Denkmal ein „lebendiges Denkmal" werden,
2. Sollte die Evangelische Gemeinde eine eigene Kirche erhalten,
3. Galt es, die zerfallende Klosterkirche des 1807 aufgelassenen Zisterzienserklosters Tennenbach, gegründet 1161, zu retten. Das Kloster lag östlich von Emmendingen im Freiamt.
Diese drei Wünsche wurden zu einem Plan gebündelt, der Weg zum Bau der ersten evangelischen Kirche in Freiburg war frei. Bürgersinn, christliche Toleranz und Dankbarkeit gegenüber dem Fürstenhaus wirkten harmonisch zusammen. Wiewohl der angesehene, sehr befähigte Stadtbaumeister Arnold einen wertvollen Plan für den Bau der Kirche entwickelt hatte, wurde die Planung und Bauausführung dem Residenzbaumeister Heinrich Hübsch übertragen. Er hielt sich in seinem Entwurf im wesentlichen an die romanische Gestalt der Zisterzienserkirche, setzte auf die Vierungskuppel einen hohen, schlanken Turm, wobei er sich am Münsterturm und dem Bild der alten Stadt orientierte. Die Klosterkirche in Tennenbach wurde abgetragen und Stein für Stein auf Ochsenkarren nach Freiburg transportiert. Engpässe in der Staatskasse ließen das Werk zeitweise stocken.
– Zehn Jahre später, 1954, konnte die neue Ludwigskirche beim Alten Friedhof eingeweiht werden. In diesem neuen Kirchenbau erinnern alte Steine an die erste Ludwigskirche und damit an die Geschichte der Evangelischen Kirche hier in Freiburg.
Im vorderösterreichischen Freiburg hatte sich die Reformation nicht entfalten können. Ihr anhängende, namhafte Persönlichkeiten mußten die Stadt verlassen. 1697, als Frankreich die Stadt nach zwanzigjähriger Herrschaft an Österreich zurückgab, wurde die Garnison wieder eingerichtet. Einem „Regiment Württemberg“ gehörten Soldaten und Offiziere evangelischen Glaubens an. Diese hielten sich zur nächstgelegenen Evang.-lutherischen Pfarrei im markgräflich-badischen Dorf Haslach, das heute Stadtteil von Freiburg ist. Die dortige Melanchthonkirche ist die älteste evangelische Kirche im Stadtbereich. Dem Taufbuch dieser Pfarrei ist zu entnehmen, daß im Jahre 1700 ein Söhnlein der Offiziersfamilie von Bettendorf den „Monseigneur, Le Prence Eugenius von Savoyen" zum Taufpaten hatte.
Doch erst mit dem Toleranzedikt Kaiser Josephs II. von Österreich besserte sich die Situation der Evangelischen. Der Kaiser berief selbst den Freund Goethes, Joh. Georg Jacobi, evangelischen Bekenntnisses, zum Professor für Beredsamkeit und Poesie an die Freiburger Universität. 1805 wurde der Breisgau im Frieden von Preßburg von Österreich an das Kurfürstentum bzw. Großherzogtum Baden abgetreten. Die Übergabe wurde 1806 im Freiburger Münster zwischen dem französischen General Monard und dem badischen Hofrichter Freiherrn von Drais vollzogen. 1806 verfügte der Großherzog Karl Friedrich von Baden (1746-1811) auf Drängen des ersten badischen Regierungsbeamten, eben des Herrn Freiherrn von Drais, die Gründung einer evang.-lutherischcn Stadt- und Universitätspfarrei. Kirche, Pfarrwohnung und Schule wurden in dem 1805 aufgelassenen Allerheiligenkloster (es stand an Stelle des heutigen Erzbischöflichen Ordinariats in der Herrenstraße) eingerichtet. Zum ersten Pfarrer war der Dichter und Theologe Johann Peter Hebel ausersehen. Der hat sich lange bedacht. Am 3. Dezember 1806 schreibt er an die befreundete Gustave Fecht: „Denn der nur ja sagen darf, um Stadtpfarrer und Universitätsprediger in Freiburg zu sein, das bin ich. – Ist mir so etwas an der Wiege gesungen worden? Steht so etwas im Bohnenlied? Die Stelle ist mir angeboten. Sie können denken, wieviel ich in beide Waagschalen zu legen habe, wie es an mir zieht und zurückhält… Auch habe ich wirklich nie gewußt, wie wert ich meinen hiesigen Freunden bin.“ Ende des Jahres 1806 reist Hebel nach Freiburg, sieht, bedenkt – und lehnt den Ruf ab.
1807 wird auf ministeriellen Beschluß hin der Pfarrer und Physiker Gustav Friedrich Wucherer zum evang.-luth. Stadt- und Universitätspfarrer berufen mit dem Auftrag, ,,daß er zugleich und neben seinem Pfarrdienst auch den Lehrstuhl in der mathematischen Physik und reinen Mathesis an der dortigen Universität“ mit zu übernehmen habe. Pfarrer Wucherer hat erleben müssen wie die Kirche während der Befreiungskriege als Pferdestall mißbraucht wurde. Um die mißlichen Verhältnisse der Gemeinde und seiner selbst zu bessern, hat er – oftmals vergeblich – Eingabe um Eingabe an die staatliche Vervaltung gerichtet. 1818 wird er auf eigenen Antrag hin als erster Direktor an das neu errichtete Polytechnikum (TH) in Karlsruhe berufen. Die Gemeinde, die er angetreten hatte, bestand anfänglich aus 128 Personen, von denen fünf als reformiert bezeichnet wurden. Dazu kamen noch neun evangelische Studenten und 25 Soldaten. Die Gemeindeglieder gehörten ansonsten meist den „gebildeten Ständen“ an, höhere Verwaltungsbeamte, Offiziere der Garnison, später auch Geschäftsleute.
Erst unter Pfarrer und Dekan Friedrich Eisenlohr, 1819 in sein Amt eingeführt, bessert sich die Situation der Gemeinde. Auch in Freiburg wird 1821 gemäß der Unionsurkunde die Vereinigung der Lutherischen und Reformierten Kirche in einer Bekenntnisunion vollzogen. 1822 zählte die Gemeinde, einschließlich der Soldaten, 400 Gemeindeglieder. Die Kirche im Allerheiligenkloster faßte höchstens 260 Personen. Die Kirche war dermaßen baufällig, daß 1827 der Fußboden einbricht und der Altar in einen Keller versinkt. Die staatliche Verwaltung sieht sich außerstande, Abhilfe zu schaffen.
Zum Dank für die Errichtung des Erzbistums Freiburg, das nicht zuletzt auf Fürsprache des Großherzogs Ludwig gegründet wurde, und nach der Einführung des ersten Erzbischofs, des Münsterpfarrers Bernhard Boll, am 21. Mai 1827, beabsichtigt der Rat der Stadt, dem Großherzog ein Denkmal zu errichten. Dieser Wunsch wurde in einer großartigen Weise aufgenommen:
1. Sollte das Denkmal ein „lebendiges Denkmal" werden,
2. Sollte die Evangelische Gemeinde eine eigene Kirche erhalten,
3. Galt es, die zerfallende Klosterkirche des 1807 aufgelassenen Zisterzienserklosters Tennenbach, gegründet 1161, zu retten. Das Kloster lag östlich von Emmendingen im Freiamt.
Diese drei Wünsche wurden zu einem Plan gebündelt, der Weg zum Bau der ersten evangelischen Kirche in Freiburg war frei. Bürgersinn, christliche Toleranz und Dankbarkeit gegenüber dem Fürstenhaus wirkten harmonisch zusammen. Wiewohl der angesehene, sehr befähigte Stadtbaumeister Arnold einen wertvollen Plan für den Bau der Kirche entwickelt hatte, wurde die Planung und Bauausführung dem Residenzbaumeister Heinrich Hübsch übertragen. Er hielt sich in seinem Entwurf im wesentlichen an die romanische Gestalt der Zisterzienserkirche, setzte auf die Vierungskuppel einen hohen, schlanken Turm, wobei er sich am Münsterturm und dem Bild der alten Stadt orientierte. Die Klosterkirche in Tennenbach wurde abgetragen und Stein für Stein auf Ochsenkarren nach Freiburg transportiert. Engpässe in der Staatskasse ließen das Werk zeitweise stocken.
1829 am Ludwigstag, dem 25. August, wurde der Grundstein für die Ludwigskirche gelegt. Mit Zustimmung des Großherzogs wurde sie nach ihm benannt. An der Feier nahmen der Erzbischof und das Domkapitel teil.
Die ehemalige Klosterkirche sollte – so wurde betont – ein „Denkmal der ächt christlichen Gesinnung und der Herz erhebenden Eintracht zwischen den verschiedenen Glaubensgenossen“ in dieser Stadt sein.
Es sollten zehn Jahre vergehen, bis am 26. Juni 1839 die Einweihung gefeiert werden konnte. In Anwesenheit einer Delegation des Domkapitels erklärte Pfarrer Eisenlohr: „Nein, wir vergessen es nicht, daß die christliche Bruderliebe es war, welche zur Erbauung dieses Tempels ... den ersten Grund gelegt hat! Wir vergessen es nicht, daß er auch in seiner erneuerten Gestalt das, was er früher war, ein Tempel der Liebe und der Eintracht, eine Pflanzstätte wahren christlichen Sinnes sein soll!“ Dabei ist nicht zu vergessen, daß die Bürgerschaft 15.000,- Gulden zur Errichtung der Kirche beigesteuert hatte. Im Blick auf die wachsende Gemeinde erhält 1842 Dekan Eisenlohr einen Vikar zur Seite. Noch haben die Pfarrämter standesamtliche Aufgaben wahrzunehmen, noch steht das Schulwesen unter kirchlicher Aufsicht. 1861 wird eine Kirchenverfassung eingeführt, welche den Kirchen und Gemeinden größere Eigenverantwortung zugesteht. Eine Trennung von Staat und Kirche wird damit angebahnt. 1876 wird durch das Schulgesetz die Schulverwaltung den politischen Gemeinden übertragen, die Simultanschule wird eingeführt.
Nach dem deutsch-französischen Krieg 1870/71 wird die Ludwigskirche Garnisonskirche, ab 1898 feiert das neu begründete Diakonissenhaus seine großen Feste mit der Gemeinde.
In der Zeit des Kulturkampfes wird ein Förderer des Evang. Bundes, Pfarrer Köllreuther, Berlin, an die Kirche berufen. Er sei aber ein moderater Vertreter desselben gewesen.
Wegen der stark wachsenden Zahl der Gemeindeglieder wird die Gemeinde geteilt. 1889 wird die zweite evangelische Kirche in der Stadt, die Christuskirche, eingeweiht.
1907, einhundert Jahre nach Gründung der ersten Pfarrei, folgt die Weihe der Pauluskirche, Dreisamstraße. In diesem Jubiläumsjahr zählt man 19865 Protestanten unter 76286 Einwohnern Freiburgs. Heute zählt die Gesamtkirchengemeinde 17 Pfarreien.
In der Zeit des Ersten Weltkrieges und den notvollen Jahren danach hat Pfarrer Dr. Paul Jaeger (1911-1934) als „positiv Liberaler" die Ludwigspfarrei mit besonderem theologischen und seelsorgerlichen Geschick geleitet. Er förderte die Jugendarbeit, nahm viele Jahre die Seelsorge im Klinikum wahr, kümmerte sich um die von Armut betroffenen Familien.
Schon wurden in den Gremien der Gesamtkirchengemeinde Freiburg wie in der Landessynode die Auseinandersetzungen um das „Deutsche Christentum“ geführt. Der Nachfolger von Pfarrer Dr. Jaeger war ein entschiedener Vertreter der „Deutschen Christen“. Er kam 1934 an die Ludwigskirche. Er wird von der örtlichen NS-Zeitung als „langjähriges Mitglied der SA und der SS“ begrüßt. Er lädt – so darf man annehmen – 1935 den Reichsbischof Müller zu einem Festgottesdienst nach Freiburg ein.
>>> Weitere Informationen zur Ludwigskirche im Nationalsozialismus <<<
Die Pfarrer der Christus- und Pauluskirche sind Glieder der Bekennenden Kirche, sie gehören dem „Freiburger Kreis" an, in welchem namhafte Professoren auf die Überwindung des NS-Regimes und die Neuordnung des Staates hinarbeiten. Die Auseinandersetzungen um das rechte Bekenntnis und die Absage an den Nationalsozialismus werden schließlich durch die Kriegsereignisse überlagert.
1944, am 27. November, wurde beim großen Luftangriff in den Abendstunden die Ludwigskirche wie andere historische Gebäude und Wohnhäuser völlig zerstört. Nur wenige bearbeitete Steine finden sich unter den Trümmern. Einzig eine Platane, die einst neben der Kirche gepflanzt worden war, hat den Kirchbau überdauert.
Mühsam sammelten Pfarrer und Gemeindehelferin nach Kriegsende die Gemeinde in Behelfsräumen. Erst 1949 kehrte der designierte Pfarrer aus russischer Kriegsgefangenschaft zurück. Pfarrer und Dekan Otto Katz hat zusammen mit Baudirektor Prof. Linde und anderen die Konzeption für den Neubau entwickelt. Auf einen historisierenden Wiederaufbau wurde verzichtet, ein Kirchplatz abseits der Hauptverkehrsstraße gesucht. Mit neuen technischen Möglichkeiten sollte ein kirchlicher Neuanfang im Kirchbau Ausdruck finden: Geastet im Sinne der Hoffnung auf den kommenden Christus, so sammelt sich die Gemeinde zum lichtdurchfluteten, offenen Chor hin, schaut auf den aus Steinen der alten Ludwigskirche errichteten Altar, sieht das Osterkreuz und blickt auf zu den Symbolen im Chorfenster, Fische, Adler, Feuerzungen und Engel. Der Raum bleibt unverputzt, hinweisend auf eine wahrhafte, ungeheuchelte christliche Kirche.
Staatspräsident Wohleb hat für die Regierung (Süd-) Badens diesen Plan unterstützt und damit die Baupflicht des alten Landes Baden festgehalten.
1954, am 21. März, wird die neue Ludwigskirche eingeweiht.
Prof. Linde schrieb damals: „Der Mensch sucht Stätten, in denen er, gelöst vom Denken seiner Umwelt, sich als Teil einer göttlichen Welt zu erkennen vermag. In diesem Sinne haben wir aus unserer Welt heraus und mit heutigen architektonischen Möglichkeiten einen Kirchenraum zu schaffen versucht, der das unstete Menschenherz zur Sammlung und stillen Gläubigkeit führen möchte.“
Und rückblickend auf die Entwicklung der Pfarreien der Ludwigskirche schrieb 1979 in einem Nachwort zur Chronik der Ludwigskirche der damalige Dekan Karl-Heinz Ronecker: ,,Die Unvollkommenheit der Gemeinde, die Vorläufigkeit ihrer Einrichtungen verweist jedoch nicht nur auf menschliche Unzulänglichkeit und Schwäche. Sie ist zugleich ein Zeichen dafür, daß das Entscheidende noch aussteht. Wenn aber kommen wird das Vollkommene, hat der Apostel Paulus geschrieben, so wird das Stückwerk aufhören. – In dieser Hoffnung ist die Kirche unterwegs. Gerade darum, weil alles, was wir tun, noch nicht das Ende ist, können wir Bewährtes bewahren, Neues beginnen und vieles verändern. Wir können zugleich, wie es in einem Gebet der Kirche heißt, vorwärts eilen im Verlangen nach dem Anbruch seiner (Christi) Herrschaft.“
Die Pfarrer der Christus- und Pauluskirche sind Glieder der Bekennenden Kirche, sie gehören dem „Freiburger Kreis" an, in welchem namhafte Professoren auf die Überwindung des NS-Regimes und die Neuordnung des Staates hinarbeiten. Die Auseinandersetzungen um das rechte Bekenntnis und die Absage an den Nationalsozialismus werden schließlich durch die Kriegsereignisse überlagert.
1944, am 27. November, wurde beim großen Luftangriff in den Abendstunden die Ludwigskirche wie andere historische Gebäude und Wohnhäuser völlig zerstört. Nur wenige bearbeitete Steine finden sich unter den Trümmern. Einzig eine Platane, die einst neben der Kirche gepflanzt worden war, hat den Kirchbau überdauert.
Mühsam sammelten Pfarrer und Gemeindehelferin nach Kriegsende die Gemeinde in Behelfsräumen. Erst 1949 kehrte der designierte Pfarrer aus russischer Kriegsgefangenschaft zurück. Pfarrer und Dekan Otto Katz hat zusammen mit Baudirektor Prof. Linde und anderen die Konzeption für den Neubau entwickelt. Auf einen historisierenden Wiederaufbau wurde verzichtet, ein Kirchplatz abseits der Hauptverkehrsstraße gesucht. Mit neuen technischen Möglichkeiten sollte ein kirchlicher Neuanfang im Kirchbau Ausdruck finden: Geastet im Sinne der Hoffnung auf den kommenden Christus, so sammelt sich die Gemeinde zum lichtdurchfluteten, offenen Chor hin, schaut auf den aus Steinen der alten Ludwigskirche errichteten Altar, sieht das Osterkreuz und blickt auf zu den Symbolen im Chorfenster, Fische, Adler, Feuerzungen und Engel. Der Raum bleibt unverputzt, hinweisend auf eine wahrhafte, ungeheuchelte christliche Kirche.
Staatspräsident Wohleb hat für die Regierung (Süd-) Badens diesen Plan unterstützt und damit die Baupflicht des alten Landes Baden festgehalten.
1954, am 21. März, wird die neue Ludwigskirche eingeweiht.
Prof. Linde schrieb damals: „Der Mensch sucht Stätten, in denen er, gelöst vom Denken seiner Umwelt, sich als Teil einer göttlichen Welt zu erkennen vermag. In diesem Sinne haben wir aus unserer Welt heraus und mit heutigen architektonischen Möglichkeiten einen Kirchenraum zu schaffen versucht, der das unstete Menschenherz zur Sammlung und stillen Gläubigkeit führen möchte.“
Und rückblickend auf die Entwicklung der Pfarreien der Ludwigskirche schrieb 1979 in einem Nachwort zur Chronik der Ludwigskirche der damalige Dekan Karl-Heinz Ronecker: ,,Die Unvollkommenheit der Gemeinde, die Vorläufigkeit ihrer Einrichtungen verweist jedoch nicht nur auf menschliche Unzulänglichkeit und Schwäche. Sie ist zugleich ein Zeichen dafür, daß das Entscheidende noch aussteht. Wenn aber kommen wird das Vollkommene, hat der Apostel Paulus geschrieben, so wird das Stückwerk aufhören. – In dieser Hoffnung ist die Kirche unterwegs. Gerade darum, weil alles, was wir tun, noch nicht das Ende ist, können wir Bewährtes bewahren, Neues beginnen und vieles verändern. Wir können zugleich, wie es in einem Gebet der Kirche heißt, vorwärts eilen im Verlangen nach dem Anbruch seiner (Christi) Herrschaft.“
Literatur:
- Adolf Hasenclever: Hundert Jahre Protestantismus, Festschrift zur Feier des 100jährigen Jubiläums der evangelischen Gemeinde in Freiburg, C. Troemer'sche Universitätsbuchhandlung, Freiburg, 1907
- Friedrich Hefele: Aus Freiburgs Baugeschichte (Heimatblätter „Vom Bodensee zum Main, Nr. 34), Verlag C. F. Müller, Karlsruhe, 1929
- Ingeborg Krummer-Schroth: Bilder aus der Geschichte Freiburgs, Verlag Karl Schillinger, Freiburg, 1970
- Hans-Carl Scherrer: Haslach. Chronik eines Markgräfler Dorfes, Verlag Karl Schillinger, Freiburg, 1980
- Ludwigskirche Freiburg im Breisgau. Eine Chronik, 1829 – 1979, Herausgegeben von den Pfarreien der Ludwigskirche, Druck: Karl Schillinger, Freiburg, 1979
- Ernst Schulin: Die Geschichte der Evangelischen Kirchengemeinde Freiburg 1807 – 1982, Druck: Karl Schillinger, Freiburg, 1983
- Johann Peter Hebel, Werke (Band 2), Herausgeber: Eberhard Meckel, Insel Verlag, Frankfurt a.M., 1968
Horst Mayer: Aus der Geschichte der Evangelischen Gemeinde Freiburg im Breisgau. In: Evangelische Kirchengemeinde Nord Freiburg (Hrsg.): Ludwigskirche Freiburg. 1994.










