Die Ludwigskirche im Nationalsozialismus

 
Fritz Kölli, Deutscher Christ und von 1934 bis 1942 Pfarrer der Ludwigskirche Freiburg
Mit dem Amtsantritt von Pfarrer Friedrich (Fritz) Kölli (1900–1942) im November 1934 wurde die Ludwigskirche zu einem „Zentrum der Deutschen Christen“ (Dietrich 1991: 228), und „der Kirchenkampf in Freiburg geriet in ein neues Stadium“ (Martin 2005: 18). Kirchenkampf im engeren Sinne bezeichnet die Kontroverse innerhalb der evangelischen Kirche in den 1930er Jahren, zwischen den nationalsozialistischen Deutschen Christen und Vertretern der Bekennenden Kirche, welche dem Nationalsozialismus zumindest in Teilen kritisch gegenüberstanden (vgl. Dietrich 1991: 213). Freiburg galt neben Heidelberg als Hochburg des Kirchenkampfes und „wurde zum Schauplatz erbitterter Auseinandersetzungen zwischen Deutschen Christen und der Bekennenden Kirche“ (Martin 2005: 2).
 
Trotz dieser Bedeutung ist die Geschichte der evangelischen Kirche im Nationalsozialismus (nicht nur in Freiburg) nur unzureichend erforscht, unter anderem auch wegen fehlender Dokumente – durch den großen Bombenangriff im November 1944 zerstört oder gegen Kriegsende bewusst vernichtet (vgl. Hainmüller 2000: 106).
 
An der Ludwigskirche hat sich 2019 ein Arbeitskreis gebildet, der ein Forschungsprojekt an der Evangelischen Hochschule angestoßen hat. Unter der Leitung von Professor Wilhelm Schwendemann haben Studierende Zeitzeuginnen und Zeitzeugen befragt. Erste Ergebnisse hat Nicole Faller, Studentin der Religionspädagogik, in ihrer Masterarbeit gesammelt und im November 2022 im Rahmen des Freitagsgesprächs vorgestellt (vgl. Bochtler 2022). Bis zur 70-Jahr-Feier der neuen Ludwigskirche im Frühjahr 2024 sollen weitere Publikationen folgen. 
 
Aus den wenigen Quellen, die bisher ausgewertet wurden, lässt sich festhalten, dass mit Friedrich Kölli „ein überzeugter Nationalsozialist einer Gemeinde vorstand“ (Martin 2005: 18). In seinen Reden und Predigten beschwor er den Nationalsozialismus als „gottgewollte Bewegung“ (zitiert nach Martin 2005: 18) und hetzte gegen alle, die das anders sahen. Dazu nutzte Kölli auch seine Stellung als Schriftleiter von "Der Deutsche Christ“, dem Sonntagsblatt für evangelische Nationalsozialisten in Baden (vgl. Rückleben 1990). Gleichzeitig versuchte er, vor allem junge Menschen nicht nur für die Deutschen Christen, sondern auch für die Organisationen der Nationalsozialisten zu gewinnen. Er selbst war Mitglied der SS und ließ sich gerne in Uniform sehen, etwa auch im Konfirmationsunterricht, den er – wie auch weitere Gelegenheiten – als Forum für seine Polemik gegen andere Strömungen in der evangelischen Kirche und für menschenverachtende Propaganda nutzte (vgl. Hainmüller 2000: 120).
 
Weniger Klarheit herrscht darüber, wie die Gemeindemitglieder zu Pfarrer Kölli standen. Aus den Gesprächen mit den Zeitzeug:innen in dem aktuellen Forschungsprojekt ist Bewunderung für den jungen Pfarrer herauszuhören. Tatsächlich stieg nach seinem Amtsantritt die Zahl der Besucherinnen und Besucher in den sonntäglichen Gottesdiensten stark an (vgl. Martin 2005: 18). Allerdings lässt sich daraus nicht ableiten, woher die Menschen kamen, die wegen Kölli in die Ludwigskirche strömten. Es gibt auch Belege dafür, dass Gemeindemitglieder aus Protest gegen Kölli die Gemeinde wechselten, wie etwa Gerhard Ritter (1888–1967), Professor an der Universität Freiburg, Bekennender Christ und späterer Namensgeber für den Gemeindesaal der Ludwigskirche.
 
Die Evangelische Pfarrgemeinde Nord hat großes Interesse daran, ihre Geschichte zu beleuchten. Wer sich hierbei einbringen möchte, ist herzlich willkommen. Melden Sie sich gerne bei uns!
 
Quellen und Literaturhinweise